Hundekauf .2

 „Der Hundekauf“ oder

„verbreitete Vorurteile und unverbesserliche Idealisten“

„Die Hunde mit Papieren sind doch alle überzüchtet. Ich brauche keine Papiere. Die gibts ja nur, weil die Züchter Geld machen wollen. Ich möchte nur einen gesunden Familienhund. Der kommt, wenn man ihn ruft, bleibt, wenn man ihn hinlegt und zu Hause nichts zerstört. Keine Besucher anspringt und lieb zu allen anderen Menschen und Tieren ist.“

So oder so ähnlich klingen die Vorstellungen sehr vieler Hundebegeisterter, wenn der Wunsch nach dem eigenen 4beiner konkreter wird. Und oft schwingt dann noch die Annahme mit, dass ein Retriever Erziehung doch en nature mitbringt – egal, woher er kommt.

Wie schnell jedoch werden viele von der Realität eingeholt. Dann, wenn das süße Hundekind ohne oder mit Papieren des xyz-Rassezuchtverbandes vom Hobbyzüchter aus dem Nachbarort doch nicht so ganz dem entspricht, was man sich unter einem Retriever vorgestellt hat. Es sich lieber verkriecht, als dem Besuch entgegenzuwedeln und für sein Alter doch ein bisserl unpassend groß ist. Aber genau, das ist ja dann die „amerikanische Linie“… oder doch nicht?

Unsere heutigen Rassehunde sind in ihrer Gesamtheit von Aussehen und Wesen das, was jahrzehn-telange, sorgfältige Zuchtselektion nach festgelegten Standards aus ihnen gemacht hat. Und an die sich Züchter zu halten haben – wenn sie denn wirklich züchten, und nicht nur Hunde vermehren! Denn wer allen Ernstes glaubt, dass „wahre Hundeliebhaber“ (so wie sich Hobbyzüchter gerne ver-kaufen) keine Vorgaben und Regeln brauchen, ist – nett umschrieben – naiv. Es reicht NICHT aus, dass der Hündinnenbesitzer seine eigene Hündin als ganz lieb und süß bezeichnet und sie deshalb unbedingt einmal Welpen haben muss.

Beim Autokauf wird vergleichen, abgewägt und jede Aussage des Verkäufers hinterfragt. Wenn man jedoch in die süßen Welpenaugen blickt, scheint jede Vernunft auch aus gestandenen Erwach-senen zu weichen und jedes Märchen wird unter dem Deckmantel der Hundeliebe für Wahr genommen.

Was ist nun die Realität?

Realität ist, dass sowohl gewünschte Äußerlichkeiten, Gesundheitswerte als auch Wesensmerkmale nicht von ungefähr kommen.

Nur eine möglichst umfassende Dokumentation über Generationen hinweg kann gewährleisten, dass Hunde nach bestem Wissen und Gewissen verpaart werden können – und damit die höchstmögliche Wahrscheinlichkeit für gesunde, typvolle und wesensfeste Welpen gegeben ist.

Jedem Interessierten ist es freigestellt, die Zuchtordnungen und Datenbanken der verschiedenen Vereine zu vergleichen. Soferne es sie überhaupt öffentlich gibt. Denn einen Verein kann jeder mal schnell gründen – wenn auch nur zu dem Zweck, um dem Welpenkäufer Seriösität vorzugaukeln! Daher sind auch die „Papiere“ je nach Verein zum Teil die Druckertinte nicht Wert. Tja, es ist ein hartes Geschäft…

Wer sich die Mühe gemacht hat, wird rasch darauf kommen, dass es in Österreich derzeit nur einen einzigen Zuchtverband gibt, der diese Transparenz nicht scheut. Und dessen Mindestzuchtanforde-rungen oftmals höher sind, als jene „strengen“ Zuchtordnungen der div. anderen Vereine. Aber selbst unter diesen Züchtern gilt es, zu unterscheiden. Da jeder seine eigenen Vorstellungen hat und sich innerhalb der vorgegebenen Bandbreite (!) bewegen kann gibt es auch hier noch große Unterschiede.

Konsequent vernünftig und weitsichtig gehandelt gibt es also nur 2 Möglichkeiten: entweder der Kauf des Hundes beim ÖRC-angeschlossenen Züchter – oder, wenn man es möchte, ein Hund aus dem Tierheim, dem man ein schönes Leben ermöglichen kann. Niemals aber die Unterstützung eines „Hobbyvermehrers“ oder gar der Kauf eines Hundes ungeklärter Herkunft aus den div. Fachgeschäften bzw. dem Internet.

Man muss das Wahre immer wiederholen,

weil auch die Irrtümer auf der Welt

immer wieder gepredigt werden.

Und zwar nicht von einzelnen,

sondern von der Masse.

Johann Wolfgang von Goethe

Noch ein paar kurze Statements zu aktuellen Themen Rund ums Thema Zucht und Welpenkauf und die Vorurteile:

* Mischlinge sind gesünder… ?

Großes Plus der Zuchtverbände ist, daß die Zuchttiere VOR dem Zuchteinsatz diverse Screeninguntersuchungen machen müssen. Manchmal mit dem Ergebnis, daß auch augenscheinlich gesunde Hunde einen (Erb)Defekt tragen können. Daraus und aus der weitaus höheren Untersuchungsrate dieser Rassetiere ergibt sich der weit verbreitete Trugschluss, Rassehunde seien „kränker“. Das ist eine These, die schlicht und ergreifend falsch ist.

* Auch im FCI/ÖKV/ÖRC gibt es schwarze Schafe… ?

Dort, wo Menschen am Werk sind, menschelt es. Jene aber an den Pranger zu stellen, die mit Verfehlungen von Mitgliedern offen umgehen ist in jedem Fall der falsche Weg. Wie aus den div. Vorstandsbeschlüssen zu entnehmen ist, wird unehrenhaftes Verhalten bzw. Verstoß gegen die Zuchtordnung sehr wohl sanktioniert. Bevor diverse Pauschalverurteilungen (ich habe gehört, daß…) weitergetragen werden, sollte sich jeder die Frage nach dem bewiesenen Wahrheitsgehalt stellen – Gerüchte sind schnell gestreut!

* Designerrassen – etwas ganz Besonderes?

„Designerrassen“ sind stark in Mode. Egal ob Labradoodle, Goldendoodle oder andere „Doodeleien“.

Verkaufsargumente: antiallergen, ohne Jagdtrieb, vereinen nur die besten Eigenschaften aus den Rassen Labrador/Golden und Großpudel.

Spätestens beim distanzierten Lesen sollte jedem, der in seiner Schulzeit bei der Mendelschen Ver-erbungslehre ein wenig aufgepasst hat auffallen, dass das so absolut nicht sein kann. Es würde hier zu weit führen, auf F1-Generation, Rassepopulation, Hetereosiseffekt usw. einzugehen – das Inter-net bietet Interessierten ausreichend Lesestoff dazu.

Auch wenn es noch so modern und speziell klingt, es bleibt schlicht und ergreifend dabei: eine (teu-re) Mischung OHNE Garantie auf antiallergen. Übrigens: da sowohl Retriever heute noch Jagdhunde sind, als auch Pudel seinerzeit für jagdliche Arbeit eingesetzt wurden, ist die Versprechung „ohne Jagdtrieb“ ein schlechter Scherz!

* Neue Farbschläge – verkannte Rassehunde?

Mitunter wurden zu Gründungszeiten verschiedener Rassen teilweise aus funktionellen, aber auch einfach aus optischen Gründen verschiedene Farbschläge aussortiert. Diesen Fakt machen sich nun findige Züchter zu Nutze, um angeblich „besondere“, „seltene“ Farben bei Rassehunden zu verbrei-ten. Für Laien ist es schwierig zu hinterblicken, welche Farbschläge tatsächlich in der jeweiligen Ras-se in Ursprungszeiten vorhanden waren, und welche in neueren Zeiten aus Gründen der „Besonder-heit“ durch Einkreuzung anderer Rassen vermischt wurden! So das ist für die momentan in Mode kommenden Silver-Labradore zwingend notwendige Dillution-Gen NICHT in der Ursprungspopula-tion vorhanden und wurde durch Einkreuzung von Weimaranern bzw. anderen Hunden mit diesem Gen eingebracht. Wer sich also mit Gedanken der Anschaffung eines solcherart „besonderen“ Hun-des trägt, sollte sich durchaus auch mit den Wesensmerkmalen von Weimaranern auseinanderset-zen, um nicht mit retrieveruntypischen Verhaltensweisen überrascht zu werden… dazu ist anzumer-ken, daß entgegen der Versprechungen dieser Züchter KEIN FCI-angeschlossener Rassezuchtver-band die Eintragung dieser Hunde jetzt und in absehbarer Zeit vornehmen wird!

Dies gilt übrigens neben der Designerfarbe silber auch für modische Erscheinungen wie carcoal, champagner usw. usw.

Einen einzigartigen, besonderen Mix erhalten sie im Tierheim günstiger und tun dazu noch eine gute Tat 😉

Diese Liste läßt sich endlos fortsetzen…

schlußendlich wird aber der gesunde Menschenverstand, die Liebe zum Tier und das Ausmaß der persönlichen Information den Ausschlag für den Hundekauf geben.

 

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